EMOTION CINEMA – Filmkomponisten und Filmmusik – 100 Jahre Tonfilm
Großes Kino heißt große Gefühle – ein Film, der unsere Emotionen gar nicht ansprechen kann, wäre als Kunstwerk misslungen. Doch was kann Gefühle so wirkungsvoll erzeugen wie Musik? Daher erinnern wir uns an bestimmte Filmszenen und an bestimmte Stimmungen, wenn wir die Musik hören. Schon längst gehört Filmmusik zur Hochkultur: Filmkomponisten werden als Künstler anerkannt und mit Retrospektiven geehrt; erfolgreiche Konzerte aus Film-Kompositionen werden veranstaltet; Filmmusik taucht im klassischen und modernen Repertoire oder in Hitparaden auf.
Zum Thema Filmmusik haben wir schon vor einigen Jahren eine Traumfabrik veranstaltet. Viele Kinobesucher teilten uns danach ihre Wunschfilme mit, denn der Fundus an guten Filmen mit herausragender Musik ist schier unerschöpflich. Diesmal liegt ein Schwerpunkt unserer Filmreihe auf namhaften und hörenswerten Filmkomponisten: vom Klassiker Max Steiner, der in Wien noch Gustav Mahler hörte, über Nino Rota, Bernhard Herrmann, Ennio Morricone, bis zu einer bemerkenswerten zeitgenössischen Komponistin wie der Isländerin Hildur Guðnadóttir.
Einen Blick in die Geschichte der Filmmusik bietet diese Traumfabrik: Im Programm finden Sie Filme aus neun Jahrzehnten, von der Blüte des klassischen Tonfilms über Nachklassik und Neue Wellen bis zur Postmoderne und darüber hinaus. So sieht man, wie verschiedene Filmgenres – engagierter Emigranten- und Antinazifilm, pazifistische Science Fiction, neorealistisches Road Movie, Italowestern und Bürgerkriegs-Epos, Film Noir, Abenteuerfilm, Comicadaption – mit unterschiedlichen musikalischen Gattungen und Gestaltungsformen verbunden sind. Musical und Musikfilm dürfen natürlich nicht fehlen.
Zum Konzept unserer Traumfabrik gehören Kinoerlebnis und Dialog mit den Zuschauerinnen und Zuschauern: Vor jedem Film gibt es eine Mikroeinführung, um Gedanken und Assoziationen anzuregen; das Kinogespräch nach dem Film bietet Raum zum zwanglosen Austausch und für Fragen. Im Begleitprogramm bieten wir und unsere Partner Filmseminare an: im Studium Generale des Karlsruher Institut für Technologie (KIT) sowie direkt in der Schauburg.
Wir freuen uns auf interessante Begegnungen und Gespräche, sowie auf musikalisch beschwingte Stunden in der Schauburg!
Das Programm als PDF (ca. 1 MB)
| Seminar am FORUM, ab 21. April 2026 | Emotion Cinema – Filmbeispiele zum Einblick in Medien- und Kulturgeschichte der Filmmusik |
| Filmseminar in der Schauburg, ab 26. Juni 2026 | Die emotionale Intelligenz der Filme – Filmmusik, kurz & knapp |
Programm der Filmreihe
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Sonntag, 26. April 2026, 15 Uhr Michael Curtiz: Casablanca1942, OmU, 102 Min.
„As Time Goes By“. Emigrantenepos und Antinazi-Film, Demokratie gegen Faschismus
Der „Beginn einer wunderbaren Freundschaft“ oder „die üblichen Verdächtigen“ – kein anderer Film hat sich (gemessen an populären Zitaten) so tief in unserer Erinnerung festgesetzt wie „Casablanca“. Ein politischer Film im besten Sinn: für Demokratie, gegen Nazis. Max Steiners Filmkomposition verbindet Leitmotive und Themen wie Marseillaise oder „Die Wacht am Rhein“ virtuos: die Musik hält den Film zwischen Liebestragödie, Emigrantenschicksal und Antinazi-Engagement emotional zusammen. |
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Sonntag, 3. Mai 2026, 15 Uhr Robert Wise: The Day the Earth Stood Still1951, OmU, 92 Min.
Friedensutopie mitten im Kalten Krieg: SciFi B-Picture mit elektronischer Musik
Ein zeitloser Film: Amerikanische Archetypen – demokratische Tradition und Rationalität stehen gegen irrationale Ängste vor dem Fremden, orientierungslose Politik, schießwütige Militärs. Bernard Herrmann, bekannt für seine Musik zu Hitchcock-Filmen wie „Vertigo“, Oscar-nominiert für „Citizen Kane“ oder „Taxi Driver“, war einer der ersten Komponisten, der mit elektronischer Musik experimentierte und mit dem Theremin den typischen SciFi-Sound schuf. - National Film Registry; AFI Top Ten Science Fiction films #5 |
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Sonntag, 10. Mai 2026, 15 Uhr Federico Fellini: La Strada1954, italien. Orig. m. dt. UT, 108 Min.
Italienisches Nachkriegs-Road-Movie, neorealistisch und phantastisch
Die kindlich-naive Gelsomina (Giulietta Masina) und der große Zampano (Anthony Quinn) ziehen über die Straßen des Nachkriegs-Italien und führen das kärgliche Leben von Artisten ohne festes Engagement. Fellini verband hier nüchternen Neorealismus mit gefühlvollen Momenten. Die Filmmusik von Nino Rota verbindet die ungleichen Protagonisten und lässt ihre phantastische Reise zu einer Erfahrung menschlicher Werte werden. |
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Sonntag, 17. Mai 2026, 15 Uhr Sergio Leone: The Good, the Bad, and the Ugly1966, engl. Orig. m. dt. UT, 174 Min.
Neue Welle, transkulturell: Italowestern und US-amerikanisches Bürgerkriegsepos
Alles dreht sich ums Geld, und Krieg ist die Hölle – nur wenige Filmemacher kannten die Western-Geschichte so gut wie Sergio Leone. Der Schöpfer populärer Italowestern machte Clint Eastwood zum Star und gilt heute als Klassiker. Mit der „Dollar-Trilogie begann die Zusammenarbeit mit dem experimentierfreudigen Komponisten Ennio Morricone (Oscar für „The Hateful Eight“): die Instrumentierung ist hier dem Geheul eines Coyoten nachempfunden. |
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Sonntag, 24. Mai 2026, 15 Uhr Robert Stevenson: Mary Poppins1964, deutsche Fassung, 35mm Technicolor, 139 Min.
Zum SCHAUBURG-Technicolor-Festival auf der Todd-AO-Bildwand: ein buntes Disney-Musica
Auf ungewöhnliche Weise gelingt es dem neuen Kindermädchen Mary Poppins (Julie Andrews) und ihrem wandlungsfähigen Freund Bert (Dick Van Dyke), einer Mittelstands-Familie zu zeigen, welche ungeahnten Freuden das Leben zu bieten hat. – Walt Disney schrieb Musical-Geschichte mit diesem modernen Familien-Märchen, einer überraschenden Mischung aus Schauspiel und Animation, Songs und Tanz in einem munteren, spätviktorianischen London. |
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28.5. – 13.6. Schauburg geschlossen wegen großer Renovierung |
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Sonntag, 21. Juni 2026, 15 Uhr Stanley Kubrick: A Clockwork Orange1971, OmU, 136 Min.
Ist der Mensch ein Gewaltwesen? Survival, Politik, Gewalt und Musik. SciFi-Real-Dystopie
Ist der Mensch ohne Gewalt überlebensfähig? Und was wäre, wenn es eine wissenschaftliche Methode gäbe, um den menschlichen Aggressionstrieb völlig zu unterdrücken? Kubricks SciFi-Noir zeigt das verstörende Zusammenspiel von Straftäter und Strafverfolgung, Gesellschaft und Gewalt, Kriminalität und Verwaltung, Therapie und Politik. Eine faszinierender Mix von Pop Art, Swinging London, Jugendgewaltkultur und Beethoven, interpretiert von W. Carlos. |
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Freitag, 26. Juni 2026, 17:30 Uhr Beginn Filmseminar in der Schauburg – unter dem filmanalytischen Mikroskop: Filmseminar in der Schauburg: |
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Sonntag, 28. Juni 2026, 15 Uhr Werner Herzog: Fitzcarraldo1982, deutsche Originalfassung, 157 Min.
Culture Clash am Amazonas und der „Eroberer des Nutzlosen“; Kultur-Abenteuer-Film
Der Abenteurer Fitzcarraldo (Klaus Kinski), verspottet als „Eroberer des Nutzlosen“, unterstützt von der Bordellbesitzerin Polly (Claudia Cardinale), will einen Traum realisieren: große Oper mit Enrico Caruso im Urwald. Doch um das zu finanzieren und ein unzugängliches Kautschuk-Gebiet zu erschließen, muss es ihm gelingen, ein Schiff über einen Berg zu ziehen. |
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Sonntag, 5. Juli 2026, 15 Uhr Wim Wenders: Buena Vista Social Club
1999, OmU, 35mm analog, 105 Min.
Musikdoku, transkulturell: lebende Geschichte afrokubanischer Musik, von Cuba nach New York
Zusammen mit seinem Freund Ry Cooder (Soundtrack für „Paris, Texas“) erkundet Wim Wenders in Havanna die Welt der afrokubanischen Musik und begleitet das Revival einer Gruppe beeindruckender Musikerpersönlichkeiten auf ihrer triumphalen Tournee: nach Amsterdam und New York. – Oscar-Nominierung. / Europäischer Filmpreis Bester Dokumentarfilm |
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Sonntag, 12. Juli 2026, 15 Uhr David Lynch: Blue Velvet1986, OmU, 120 Min.
Kultklassiker, postmodern: Frank Booth in Lincoln Street, Rotkelchen, Träume und Alpträume
Amateurdetektiv Jeffrey findet ein abgeschnittenes Ohr. Unterstützt von Sandy gerät er in die alptraumhafte Welt von Frank Booth und der Sängerin Dorothy und wird in eine beunruhigende doppelte Dreiecksgeschichte verwickelt. Die Soundscapes zu Lynchs Noir-Roadtrip vom American Dream in den Alptraum der Wirklichkeit schuf Angelo Badalamenti, der im Slow Club auch Isabella Rossellinis Interpretation von Bobby Vintons Song „Blue Velvt“ persönlich am Piano begleitet. – Oscar-Nominierung (Regie); AFI Top Ten Mystery Film #8 |
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Sonntag, 19. Juli 2026, 15 Uhr Todd Phillips: Joker.2019, OmU, 70mm-Superbreitwandformat, 122 Min.
Super-Antihero-Psycho-Noir-Film
Das seltsame Leben des Außenseiters Arthur Fleck (Joaquin Phoenix), Showbusiness und Kriminalität: statt Superheld, eher der ultimative Antiheld – eine Comicadaption der anderen Art, Psychodrama eines zerrissenen Individuums in einer zerfallenden Gesellschaft. – Die isländischen Komponistin Hildur Guðnadóttir setzte auf „vielschichtige Einfachheit“ bei der Gestaltung ihrer inneren Klanglandschaften und wurde als erste Frau mit dem Oscar für die beste Filmmusik ausgezeichnet. |
Änderungen sind nicht beabsichtigt, aber vorbehalten. Dauer der Filme in Min. kann abweichen.
OmU = engl. Original mit dt. Untertiteln; 35mm / 70mm = orig. Filmkopie im 35mm-Format bzw. 70mm Super-Breitwand-Format.
Zeit: Sonntags 15 Uhr (wenn nicht anders angegeben)
Ort: Filmtheater SCHAUBURG Karlsruhe, Marienstr.16
Eintritt: € 11,50 / Ermäßigt € 10 / Seminarteilnehmende € 8 (70mm Projektion mit Aufpreis)
Alle Filme mit Mikroeinführung von Wolfgang Petroll und Kinogespräch nach dem Film.
TRAUMFABRIK – die Filmreihe für Filmfans, Entdecker und solche, die es werden wollen.
Kuratiert von Wolfgang Petroll und Herbert Born
Eine Zusammenarbeit von: Filmtheater SCHAUBURG Karlsruhe, mit Studium Generale. Forum Wissenschaft und Gesellschaft (FORUM) des KIT
Mit freundlicher Unterstützung der Georg-Fricker-Stiftung, und von EUROPA CINEMAS Creative Europe MEDIA













