Roman und Medienwandel: Prosaromane des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit

Inhalt

Die Frühe Neuzeit setzt eine doppelte Zäsur in der deutschen Romangeschichte: Aus Vers wird Prosa, der Buchdruck verdrängt die Handschrift. Dazu wird als Rezeptionsraum die private Lektüre statt des Vortrags zur Norm. All dies macht die Geschichte des Romans zum medienwissenschaftlichen Modellfall – und Romangeschichte des späten Mittelalters und der Frühen Neuzeit zu einem Grenzphänomen von Literatur- und Mediengeschichte.

Die neuen Medienbedingungen laufen parallel mit umfassenden gesellschaftlichen (Territorien und Städte), wissensgeschichtlichen (Erfindungen, Entdeckungen) und religiösen (Reformation bis 30jähriger Krieg) Veränderungen. Dadurch entsteht eine zwischen Tradition und Innovation hin- und hergerissene Gattungslandschaft. Es gibt in ihr Prosaauflösungen mittelhochdeutscher Versromane, aber eben auch Übernahmen aus dem Französischen (Melusine) oder in die Zukunft weisende 'Geniestreiche' wie den Fortunatus (Druck 1509), das Faust- und das Lalebuch (Lalen sind die Schildbürger) und den internationalen 'Bestseller' Amadis. Die Gattungsentwicklung mündet um 1620 im enzyklopädischen Barockroman, der aus der Abwehr und Fortsetzung der Vorbilder eine eigene Poetik entwickelt und mit dem die (dann zweiteilige) Vorlesung abschließt.

Die Sitzungen verfolgen die wichtigsten Stoffe, Autoren und Texte, diese durchwegs eingebettet in ihre poetologischen und medienhistorischen Voraussetzungen und interkulturellen Bezüge. Ein ausführliches Kapitel wird auch dem europäischen Kontext von Novelle und Schwankroman gelten (von Strickers 'Amis' über Boccaccio und Chaucer bis Eulenspiegel).

Texte: Die 'Klassiker' gibt es gut kommentiert in Einzelausgaben (etwa bei Reclam) oder in der Anthologie von Müller, Jan-Dirk (Hg.): Romane des 15. und 16. Jahrhunderts. Nach den Erstdrucken mit sämtlichen Holzschnitten. Frankfurt a. M. 1990.

Studien- und Prüfungsleistung: Klausur (nach Maßgabe des MHB; nähere Hinweise in der Veranstaltung). Prüfungsleistung: vgl. begleitender MA-Kurs.

Anmeldung: Bitte melden Sie sich über ILIAS und CMS für die Veranstaltung an. 

VortragsspracheDeutsch
Literaturhinweise

Literatur (als erstes stets VL-/Verf.-Datenbank-Einträge konsultieren!): Müller, Jan-Dirk: Volksbuch/Prosaroman im 15./16. Jahrhundert – Perspektiven der Forschung. In: Internationales Archiv für Sozialgeschichte der deutschen Literatur. 1. Sonderheft Forschungsreferate, Tübingen 1985, 1-128; Bamberger, Gudrun: Poetologie im Prosaroman: Fortunatus - Wickram – Faustbuch. Würzburg 2021; Meid, Volker: Die deutsche Literatur im Zeitalter des Barock. Vom Späthumanismus zur Frühaufklärung 1570-1740, München 2009.