Colloquium Fundamentale im Wintersemester 2026/2027

Am Puls der Zukunft. Perspektiven auf Medizin und Gesundheitssystem von morgen
Unsere medizinische Versorgung befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Gegenwärtig hat die deutsche Bundesregierung dem Gesundheitssystem drastische Sparmaßnahmen auferlegt und zahlreiche Leistungen gekürzt oder gestrichen. Damit wächst die Sorge, ob wir in Zukunft weiterhin gut versorgt sein werden. Zuversichtlich stimmen dagegen die nahezu täglich verkündeten Neuigkeiten aus der Forschung. Getrieben von Entwicklungen in der Künstlichen Intelligenz, der Biotechnologie und der Robotik werden die Grenzen des diagnostisch und therapeutisch Machbaren in einem rasanten Tempo verschoben. Diese Fortschritte geben Hoffnung, werfen aber auch Fragen danach auf, wie die zukünftige medizinische Versorgung gerecht und menschlich bleibt. Werden wir mit Innovationen die gegenwärtigen Probleme unseres Gesundheitssystems lösen können – die Unterfinanzierung, der Fachkräftemangel und der Mangel an Therapieplätzen für psychische Erkrankungen – oder schaffen wir damit gar neue Schieflagen?
Wie führende Expertinnen und Experten in die Zukunft der Medizin blicken, können Sie im Colloquium Fundamentale „Am Puls der Zukunft. Perspektiven auf Medizin und Gesundheitssystem von morgen“ im Wintersemester 2026/2027 erfahren, das im Zeichen des Wissenschaftsjahrs 2026 „Medizin der Zukunft“ des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt steht. Zusätzlich ist das Colloquium Fundamentale in diesem Semester Side-Event der Wissenschaftsreihe EFFEKTE, der Stadt Karlsruhe.
Wir hören, welche biomedizinischen und technischen Entwicklungen das Heilen und Pflegen revolutionieren, welche Rolle umfangreiche Patientendaten für Diagnosen und Therapien spielen und was es bedeutet, dass für Frauen bislang weitaus weniger Daten vorhanden sind. Außerdem wollen wir uns mit der Frage befassen, wie effizient unser Gesundheitssystem sein kann und soll und welche ethischen Fragen KI-basierte Anwendungen aufwerfen.
Wir freuen uns, Sie beim Colloquium Fundamentale begrüßen zu dürfen!
Eintritt frei, keine Anmeldung nötig (außer für Studierende, die einen Leistungsnachweis erwerben möchten, s.u.).


Wissenschaftliche Leitung: Dr. Doris Teutsch
Organisation: Leonie Klein, M.M., M.A.
Das Colloquium Fundamentale wird durch den KIT Freundeskreis und Fördergesellschaft e.V. gefördert.
Hinweis für Studierende
Studierende, die im Sommersemester 2026 einen Leistungsnachweis erwerben möchten, nehmen regelmäßig an der Vortragsreihe teil und beteiligen sich aktiv an der Diskussion. Zudem fertigen sie zwei Lernprotokolle zu zwei der besuchten Sitzungen an.
Studierende, die die Veranstaltung im Rahmen des Begleitstudiums Wissenschaft, Technologie und Gesellschaft belegen oder auch davon unabhängig 3 LP erwerben möchten, beantworten zusätzlich noch eine Leitfrage (6000 Zeichen) in Form eines Essays. Die Liste der Leitfragen wird zu Semesterbeginn im ILIAS-Kurs des Colloquium Fundamentale für angemeldete Studierende veröffentlicht.
Informationen zum Erwerb von Leistungspunkten
Anmeldung für Studierende über SignMeUp
Veranstaltungsübersicht
Transplantation der Zukunft: Organe aus dem Drucker
Donnerstag, 5. November 2026, 18 Uhr
InformatiKOM, Geb. 50.19, KIT Campus Süd, Adenauerring 12
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Prof. Dr. Ute Schepers
Abstract
Kurzbiographie ⊻ |
Gender Data Gap bei Krebs
Donnerstag, 12. November 2026, 18 Uhr
InformatiKOM, Geb. 50.19, KIT Campus Süd, Adenauerring 12
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Prof. Dr. Dr. Sonja Loges
Abstract
Kurzbiographie ⊻ |
Wenn KI Therapien empfiehlt: Wie gerecht ist die Medizin der Zukunft?
Donnerstag, 10. Dezember 2026, 18 Uhr
InformatiKOM, Geb. 50.19, KIT Campus Süd, Adenauerring 12
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Dr. Dana Mahr
Abstract Künstliche Intelligenz soll Diagnosen verbessern, Behandlungen personalisieren und Ärztinnen und Ärzte bei Therapieentscheidungen unterstützen. Digitale Patientenzwillinge versprechen sogar, mögliche Krankheitsverläufe und die Wirkung unterschiedlicher Behandlungen vorab zu simulieren. Doch worauf beruhen solche Empfehlungen? Und: für wen funktionieren sie tatsächlich? Der Vortrag beleuchtet die Chancen und ethischen Spannungsfelder KI-gestützter Therapieberatung. Im Mittelpunkt stehen Fragen nach Verantwortung, Transparenz, Datenqualität und Gerechtigkeit: Was geschieht, wenn bestimmte Bevölkerungsgruppen in medizinischen Daten nicht ausreichend repräsentiert sind? Wie verändern algorithmische Empfehlungen das Verhältnis zwischen medizinischem Fachpersonal und Patientinnen und Patienten? Und wie können die Menschen, die von diesen Technologien betroffen sind, an ihrer Entwicklung und Gestaltung beteiligt werden? Dabei soll es nicht um eine einfache Gegenüberstellung von medizinischem Fortschritt und technologischem Risiko gehen. Vielmehr möchte ich gemeinsam mit dem Publikum der Frage nachgehen, unter welchen Bedingungen KI zu einer menschenzentrierten, inklusiven und gesellschaftlich verantwortbaren Medizin der Zukunft beitragen kann.
Kurzbiographie ⊻Dr. Dana Mahr ist Wissenschaftlerin am Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT). Sie forscht an den Schnittstellen von Technikfolgenabschätzung, Wissenschafts- und Technikforschung, partizipativer Forschung und digitaler Gesundheit. Im Zentrum ihrer aktuellen Arbeit stehen die gesellschaftlichen und ethischen Folgen von Künstlicher Intelligenz und datenbasierter Medizin: insbesondere digitale Patientenzwillinge, geschlechtsspezifische Datenlücken sowie Fragen nach Teilhabe, Verantwortung und Gerechtigkeit. Vor ihrem Wechsel an das KIT war sie an den Universitäten Genf und Lübeck tätig. |
Humanoide Roboter: Verkörperte Künstliche Intelligenz als Assistenz in der Pflege
Donnerstag, 14. Januar 2027, 18 Uhr
InformatiKOM, Geb. 50.19, KIT Campus Süd, Adenauerring 12
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Prof. Dr. Tamim Asfour
Abstract Humanoide Roboter erleben derzeit enorme Fortschritte: Sie laufen, rennen, balancieren und lernen zunehmend selbstständig. Damit rückt eine Frage in greifbare Nähe, die angesichts des demografischen Wandels und des Personalmangels in der Pflege immer drängender wird: Können solche Systeme hier unterstützen? Der Vortrag zeigt anhand der am KIT entwickelten ARMAR-Roboter, wie KI-basierte humanoide Roboter fehlende Arbeitskräfte kompensieren können, indem sie Pflegekräfte bei wiederkehrenden, körperlich belastenden Tätigkeiten entlasten – nicht als Ersatz für den Menschen, sondern als Assistenz, die Freiraum für die eigentliche zwischenmenschliche Pflege schafft. Dabei wird deutlich: Neben beeindruckenden Fortschritten bestehen weiterhin große Herausforderungen, etwa bei Manipulation, Zuverlässigkeit, Sicherheit und Vertrauenswürdigkeit. Der Vortrag ordnet ein, was humanoide Assistenzroboter in der Pflege heute schon leisten können – und was noch Zukunftsmusik ist.
Kurzbiographie ⊻Prof. Dr. Tamim Asfour ist Sprecher des Robotics Institute Germany (RIG) und Professor für Humanoide Robotik am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Er leitet das High Performance Humanoid Technologies Lab (H²T) am Institut für Anthropomatik und Robotik und ist der Entwickler der humanoiden Roboterfamilie ARMAR. Seine Forschung widmet sich der Entwicklung humanoider Robotersysteme, die Künstliche Intelligenz, Informatik und Mechatronik integrieren, um vielfältige Aufgaben in der realen Welt auszuführen und dabei von Menschen und aus Erfahrung zu lernen. Er Tamim war Gastprofessor am Georgia Institute of Technology, an der Tokyo University of Agriculture and Technology sowie an der National University of Singapore. Er ist IEEE Fellow, Editor-in-Chief der Robotics and Automation Letters (RA-L), Gründungs-Editor-in-Chief des IEEE-RAS Humanoids Conference Editorial Board sowie wissenschaftlicher Sprecher des KIT-Zentrums „Information · Systeme · Technologien" (KCIST). |
Maschinelles Lernen mit Routinedaten: Chancen und Herausforderungen
Donnerstag, 4. Februar 2027, 18 Uhr
InformatiKOM, Geb. 50.19, KIT Campus Süd, Adenauerring 12
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Michaela Hardt (Phd)
Abstract
Kurzbiographie ⊻Michaela Hardt, PhD, ist Informatikerin und leitet das Medizinische Datenintegrationszentrum am Universitätsklinikum Tübingen. Sie studierte Informatik an der Universität des Saarlandes und promovierte an der Cornell University im Bereich Informatik zum Thema Data Privacy. Anschließend arbeitete sie als Software Engineer bei Twitter, Google und Amazon an Anwendungen des Maschinellen Lernens. Bei Google Brain entwickelte und trainierte sie multimodale Deep-Learning-Modelle für klinische Entscheidungssysteme und untersuchte deren Fairness und Erklärbarkeit. Am Universitätsklinikum Tübingen setzt sie diese Arbeit mit Gesundheitsdaten fort – von der Datenintegration bis hin zu Anwendungen des Maschinellen Lernens. |
Effizienz in der Gesundheitsversorgung der Zukunft
Donnerstag, 18. Februar 2027, 18 Uhr
InformatiKOM, Geb. 50.19, KIT Campus Süd, Adenauerring 12
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Prof. Dr. Simon Reif
Abstract Die nachhaltige Finanzierbarkeit des deutschen Gesundheitswesens ist eine zunehmend wichtige gesellschaftliche Herausforderung. Aktuell werden viele Reformvorhaben diskutiert um durch bessere Steuerung, intensivierte Digitalisierung und transparente Allokationsmechanismen sowohl die Effizienz im Ressourceneinsatz als auch die Versorgungsqualität zu steigern. Im Vortrag werden zuerst verschiedene aktuelle Reformvorschläge aus ökonomischer Sicht diskutiert. Im Anschluss werden die Herausforderungen der Innovationen im Gesundswesen für die Organisations- und Finanzierungslogik in unterschiedlichen Gesundheitssystemen aufgezeigt.
Kurzbiographie ⊻Prof. Dr. Simon Reif ist Gesundheitsökonom und leitet die Forschungsgruppe „Gesundheitsmärkte und Gesundheitspolitik“ am ZEW Mannheim. Zudem ist er Professor für Volkswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Gesundheitsmärkte an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und Mitglied im Munich Center for Health Economics and Policy (M-CHEP). Er studierte Volkswirtschaftslehre und Soziologie an der FAU Erlangen-Nürnberg, der University of Hull (UK) und der LMU München. Nach seiner Promotion an der FAU zum Angebot medizinischer Leistungen arbeitete er als Postdoktorand am RWI Essen sowie als Berater für Digital-Health-Start-ups. Seine Forschung liegt in den Bereichen Gesundheitsökonomie und angewandte Ökonometrie, mit einem Schwerpunkt auf den verhaltensbezogenen und institutionellen Aspekten der medizinischen Leistungserbringung, insbesondere darauf, wie die Digitalisierung die Gesundheitsversorgung beeinflusst. |




